Annette und Zadig berichten von ihrer großen Tour
Touchdown in Fairbanks, Alaska (Sa, 28.05.05)
Liebe Freunde und Verwandte,
wir sind ohne Probleme in Fairbanks angekommen und mit unseren schicken Besuchervisa
(Annettes kam am letzten Tag vor der Abreise und sorgte so fuer zum Teil nicht erwuenschte
Zusatzspannung!!) kamen wir mit unseren Drahtfreunden (die in Canondale Kartons mit riesiger
US Flagge bem Zoll freundlich empfangen wurden) ohne gegrillt zu werden durch die
sympathische Imigrationsprozedur. Zur Sicherheit wurden aber nochmals Fingerabdruecke und
Fahndungsfoto aufgenommen (doppelt haelt besser, man kann nicht sicher genug sein!).
Ein deutschsprechender Ungar fuhr uns mit seinem Taxi zum Camping, wo wir hungrig (bei Condor
wird man auf Diaet gesetzt!) und uebermuedet unsere Raeder zusammenbauten und bei der Shopping
Mall um die Ecke (4 km) das Noetigste erwarben, um ohne knurrenden Magen den Jetlag von 10 h
zu verdauen.
Nach dem Ausschlafen ging es uns schon deutlich besser (siehe Foto). Nach zwei Tagen in
Fairbanks geht morgen die Radlerei in Richtung Denali Nationalpark los. Gestern waren 24
Grad Celsius, es ist 24 h am Tag hell und es gibt hier wirklich sehr viele Muecken!!
Das wars vom Start,
Liebe Gruesse, Annette und Zadig
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Denali (Fr, 03.06.05)
Liebe Freunde,
erstmal vielen Dank fuer Eure rege Anteilnahme an unserem Start und sorry, dass wir Euch nur
einige Baumwipfel geschickt haben. Den Rest des Bildes hat die US-internet-obsevation wohl
nicht frei gegeben (wahrscheinlich lag es wohl doch an der Groesse des Bildes). Heute gibt es
keine neuen Bilder, obwohl wir uns inzwischen mit einer Digi-Cam ausgeruesstet haben.
Nun kurz zum Geschehen: Wir sind auf sehr breitem Highway mit durchaus ruecksichtsvollen
Autofahrern (allerdings gibt es hier keine Autos nach unseren Massstaeben, sondern nur Monster
4wd expedition Jeeps und Camping Mobile, die dem Tourbus vom Team T-Mobile aehneln) in zwei Tagen
von Fairbanks in den Denali Nationalpark geradelt. Dabei brutzelte die Sonne kraeftig vom Firmament.
Hier in Denali setzte dann jedoch das fuer diese Region typische Wetter ein: Regen und kurze
Regenpausen. Wir haben uns trotzdem wagemutig auf die Schlammstrasse in den Park begeben und bereuten
sofort, keine Hinterradschutzbleche zu haben. Wenigstens haben wir so kurz und schmerzlos den
Zivilisations-Hygienestandart hinter uns gelassen. Die Parkstrasse fuehrt nur in einen kleinen Teil
des Denali-Parks hinein: ca. 140 km!! Wir haben bei km 40 zwei Tage gecampt (das muss man alles beim
Parkeingang im Voraus buchen und kann dann im Park nicht verlaengern). Am ersten Tag haben wir eine
Tageswanderung gemacht, am zweiten sind wir bis km 80 hineingefahren. Man fahrt in einem riesig
weiten, welligen Tal entlang der sehr beeindruckenden Alaska-Range in Hoehen zwischen 500m und 1200m.
Es sieht genauso aus wie in den Fernsehfilmen mit Baeren und Woelfen. Leider haben sich diese bisher
vor uns versteckt. Die zwei Elche, viele Bergschafe, drei Adler (von ferne) und hunderte von
Murmeltieren haben uns jedoch auch sehr gut gefallen.
So, jetzt scheint der Morgenregen etwas nachzulassen, wir sollten weiterradeln. Beim naechsten
Mal mehr zu Vorsichtsmassnahmen vor Baeren.....
Viele Liebe Gruesse, Annette und Zadig
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Denali to Valdez (Sa, 11.06.05)
Liebe Familie, Freunde und Interessierte,
Mittlerweile sind wir vom verregneten Denali NP ueber eine holprige Schotterstrasse, die sich
Denali Highway nennt, gegen unseren Plan in Valdez gelandete. Schuld an diesen 450 km Umweg
ist einzig und allein ein fetter Tankstellenbesitzer, der uns zu diesem Trip ueberredet hat.
Aber wir wollten ja einige Eindruecke zu den Menschen und Tieren loswerden und Euch micht mit
Wegbeschreibungen langweilen. Zu den Menschen ist folgendes zu sagen: es gibt alles, wer
haette das gedacht!! Zu unserem Erstaunen haben wir bisher sehr viele unglaublich nette und
informierte Amis getroffen, und man hat den Eindruck, das viele nach ca. 5 min Gespraech sich
fuer ihre Regierung entschuldigen moechten und zutiefst bekuemmert sind, was ihr Rolle in der
aktuellen Weltpolitik betrifft. Es kam aber sein, dass man hier unter den Reisenden in Alaska
auch nur eine bestimmte elitaere Gruppe trifft und dieser Anteil von Weltoffenen in Montana
drastisch abnehmen wird. Was wir an den Menschen sehr schaetzen, ist ihr Gespraechigkeit. Man
wird, wo man hinkommt, in ein Gespraech verwickelt und jeder ist erstmal interessiert und
freundlich. Es gibt aber natuerlich auch diese fremdartige Art, mit der man wenig anfangen
kann. Das eindruecklichste fuer mich war, dass ich in Fairbanks in den Waschraum komme und da
ungefaehr fuenf Frauen wie die Huehner auf der Stange auch einer Bank gegenueber der Toiletten
sitzen und alle einen Plastikbecher mit Kaffee ind der Hand haben und sich unterhalten,
waehrend von der anderen Seite eindeutige Duefte das Treiben der anderen auf den Toiletten
verraten. Und dann gilbt es neben den oversized Trucks natuerlich auch diese monsterartigen
Lebewesen, die als Kinder wohl mal Menschen aehnlich sahen. Noch viel deutliche als bei uns
scheint hier Fettsein mit Verwahrlosung und Armut korreliert zu sein.
Zu den Tieren, die wir bisher am meisten getroffen haben, zaehlt sicher die Muecke ( es sind
Billionen, die paar Hundert, die wir dankswerter Weise schon erledigt haben, fallen leider
nicht ins Gewicht). Vor einigen Tagen mussten wir in einem Sumpfgebiet zelten und das war
schon der Horror schlechthin. Wir waren ohne Uebertreibung jeder in einer Wolke von
blutduerstigen. Aber wo Schatten ist, gibt es auch Sonne und die kommt als keine Flasche
namens DEET daher. Eine wirklich hoellische Erfindung zur Insektenabwehr. Und wer hat sie
erfunden? Nein, nicht die Schweizer sondern das Pentagon,bzw. das US-Militaer. Das Zeug wirkt
wirklich Wunder. Es gibt nur einen kleinen Nachteil. Hat man es an den Handflaechen, kann man
nichts mehr anfassen. Plastiktueten werden sofort entfaerbt und loesen sich augenblicklich
auf. Das sind herbe Verluste, das es hier nur die leidigen Rascheltueten gibt. Wir haben neben
den Muecken auch noch die Bekanntschaft mit Stachelschweinen gemachen. Diese Zeitgenossen wirken auf
uns chronisch schlecht gelaunt und muerrisch, was einen ihrer Art nicht davon abhielt, unser Zelt
als sein Eigentum mit Pisse zu markieren. Als wir ihn davon abhalten wollten, muffelte er uebelhaunig
von dannen. Die ueberall heraufbeschworene Baerengefahr haben wir bisher noch nicht erlebt
(leider oder zum Glueck?) Auf gut ausgestatteten Campingplaetzen gibt es foodlocker, das sind
Stahlkontainer, die absolut einbruchssicher fuer Meister Pelz sind. Wenn man wild zeltet, sollt
man seine Taschen mit den Lebensmitteln in die Baeume ziehen, was bei den ca. 1-2 m hohen
Tundrakrueppeln relativ schwer faellt. Bisher hatten wir wie gesagt noch nicht die Ehre. Dafuer
hatten wir schon Elche mit Kindern und ohne zu Massen getroffen und Weisskopfseeadler gibt es hier,
wie bei bei uns Nebelkraehen oder Spatzen. Gesten haben wir als Ruhetag-Beschaeftigung einen
kommerziellen Ausflugstrip zu den klabenden Gletscher im Prince William Sound gemacht. Dabei gab es
so viel Seeotter, Seehunde und Seeloewen aber auch Adler, Delphine und Papageientaucher zu sehen,
dass man kaum glauben kann, dass Valdez 1989 mit dem Tankerunglueck der Exxson Valdez zu traurigen
Beruehmtheit gelangte.
Morgen machen wir uns auf den Rueckweg, da Valdez eine Sackgasse ist und wir die gesammten
200km bis zu der Tankstelle nebst ihres oben erwaehnten fetten Besitzers ueber einen 900m
Pass zurueckradeln mussen um uns auf den Weg zu den Yukon-Terretories in Canada zu machen.
Das sind aber weiter 500km durch das Feindesland der Muecke, aber wir haben noch eine halbe
Flasche DEET und einen Termin beim Dermatologen.
Bis dahin liebe Grusse, Zadig und Annette.
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Zum Schluss (vorerst) noch der Hafen von Valdez!
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Der Pfannenstiel-Whitehorse (Di, 05.07.05)
Verehrte Leserschaft,
viele Gruesse aus dem Pfannenstiel....
So haben wir am 2.7. in Haines Alaska eine Mail begonnen. Doch unguenstiger Weise wurde in der
Nacht zuvor eine wichtige Glasfaserleitung fuer Alaska beschaedigt. Die Internetverbindung war extrem
langsam und stoeranfaellig, nach zwei Stunden hatten wir die meisten Eurer sehr netten Mails gelesen,
doch konnten wir an diesem Tag keine verschicken.
Seit unserem letzten Bericht sind nun also noch mehr Tage vergangen. Wir haben uns seitdem
ueber folgende Strecken bewegt: Wir sind von Slana (das war die Gemeinde mit 45 Einwohnern)
ueber Tok (spricht man wie die erste Silbe von Tokyo) nach Haines Junction geradelt. Nachdem
wir eine Woche in Kanada waren, ging es wieder nach Alaska in den sehr gemuetlichen Ort Haines.
Das liegt im sogenannten Pfannenstiel (panhandle). Ein Blick auf den Umriss von Alaska macht diesen
Ausdruck verstaendlich. Von Haines nahmen wir die Faehre nach Skagway, von wo es zurueck auf den
Alcan (Alaskan-Canadian-Highway) ging. Jetzt sind wir in der Hauptstadt des Yukon in Whitehorse. Das
ist mit ca. 25000 Einwohnern die erste nennenswerte Stadt seit Fairbanks.
Eindruecklich ist auch, dass es vom westlichen Ende des Wrangell-St. Elias Nationalparks (von
da kam die letzte Mail), bis zum oestlichen Ende des direkt angrenzenden Kluane Nationalparks
in Haines Junction stolze 600 km sind! In diesen Nationalparks gibt es nahezu 6000m hohe
Gebirgsmassive, die hoechste Baerendichte in Nordamerika, viel wilderness ... und keine
Menschen. In Haines Junction stand desshalb eine drei Tages Wanderung im Kluane Park auf
unserem Wunschzettel (genau Peter und Heike: Observation Mountain). Wir haben es auch
tatsaechlich geschafft, das Noetigste fuer drei Tage in Annettes mittelgrossen Rucksack und
meinen maesig komfortablen Ortlieb-Sack-mit-Trageriemen unterzubringen. Ebenso sind wir nun
Besitzer eines sogenannten Baerensprays (es sprueht keine Baeren, sondern soll allzu
aufdringliche Gesellen dieser Art vertreiben). Es ist zwar schon abgelaufen, doch das wissen
die Baeren ja nicht und ausserdem sprueht es noch ganz ordentlich. Voller Tatendrang
erreichten wir die Backcountry Meldestelle (alle, die im Nationalpark in die Wildniss wollen
muessen sich registrieren), an der uns verkuendet wurde, dass unser anvisierter Trail seit
zehn Minuten wegen aggressiver Baeren geschlossen ist. In der Nacht zuvor klopfte ein Baer
wohl an das Zelt anderer Wanderer. Es ist jedoch nichts schlimmes passiert. Dennoch wird nach
einem solchen "bad bear behaviour" die Gegend erstmal dicht gemacht. Uns so mussten wir
leider unverrichteter Dinge von dannen ziehen.
Eine kleine Enschaedigung gab es auf der unverschaemt schoenen Strecke von Haines Junction
durch das Kuestengebirge nach Haines (250 km fantastische Landschaft). Kurz vor der hoechsten
Stelle dieser Strasse (1050 m) gibt es eine kleine Huette (besser: Verschlag) an der Strasse,
in der Wanderer und Radfahrer uebernachen koennen. Ein super Ort! Mit uns zwei Personen ist
die Huette auch schon voll! Von diesem netten Ort aus haben wir kurzerhand am Nachmittag noch
einen der umliegenden Gipfel erstiegen. Gemeinerweise huellte sich der Gipfel (2000 m)
justament dann in dicke Wolken als wir oben waren und klarte sieben Minuten, nachdem wir den
Gipfel verlassen hatten wieder auf. Na ja, das Wetter waere auch noch so ein Thema hier.....
(sehr feucht, vor allem die Radschuhe), aber wir muessen jetzt erstmal Schluss machen. Unsere
reservierte Computerzeit ist leider abgelaufen.
Viele liebste Gruesse, es geht uns praechtig,
Annette und Zadig
Fuer alle, die nur den guten Dierke Atlas zur Hand haben, auf dessen Karte wir uns bisher
wahrscheinlich kaum vorwaerts bewegt haben: Unser km Zaehler zaehlte bisher fast 2500 dieser
Einheiten. |
Alaska (zum Letzten) (So, 24.07.05)
Hallo liebe Leute,
endlich mal wieder ein Lebenszeichen von uns mal wieder aus Alaska, dieses
Mal aber wirklich zum letzten Mal, da jetzt Alaskas suedlichste Spitze mit
Hyder erreicht ist. Seit Whitehorse ging es auf dem Alaska- Highway und
spaeter auf dem Cassiar-Hwy endlich Richtung Sueden. Jetzt sind wir auf dem
56-igsten Breitengrad und damit annaehrend auf der Breite von Berlin. Seit
einigen Naechten wird es auch wieder richtig dunkel und vorgestern haben wir seit
zwei monaten zum ersten Mal wieder die Sterne gesehen. Der Cassiar-Hwy ist
uebrigens 725 km lang, existiert in voller Laenge erst seit 1976 und hat nur
zwei Abzweigungen, die jeweils Sackgassen sind. Eine der beiden Sackgassen fuehrt
durch eine sehr spektakulaere Gegend vorbei an Gletschern und Wasserfaellen
hierher nach Stuart (Canada) und Hyder (Alaska). Gestern sind wir hier eine
Schotterstrasse etwas in die Berge gefahren zu einem Bach, der voll mit Lachsen
ist, die auf ihrer Wanderung zu den Laichplaetzen bergauf schwimmen. Von einer
Touristenplattform aus konnte man dann die Baeren beim dinnieren beobachten,
gut geschuetzt von schwer bewaffneten Rangern. Es war aber dennoch sehr
eindruecklich so einen Grizzly beim fischen zu beobachten. Die Lachse begehen
uebrigens kollektiven Selbstmord und sterben nach der Eiablage in dem nur
knoecheltiefen Wasser des selben Baches, in dem sie vor 2-5 Jahren selbst
geschluepft sind.
Ansonsten haben wir in der Zwischenzeit noch einige Baeren getroffen, die
aber alle keinen Appetit auf uns hatten.
Wir selber sind zwar weit davon entfernt, unsere Speisen selber zu jagen,
jedoch erfreuen wir uns oefters an schmackhaften Nahrungsmittelergaenzungen,
die uns die Natur hier bietet: Zum Fruehstueck sammelt Annette eifrig Erd-
und Himbeeren, die vortrefflich zum Muesli munden. Einige Abendessen wurden
ebenfalls schmackhaft mit Pilzen bereichert (vor allem Steinpilze) und hin
und wieder landet ein von uns selbst geangelter Fisch auf unserem Grill.
Morgen radeln wir wieder weiter: Erstmal die 67 km zurueck zum Cassiar Hwy
und dann in Richtung Prince George, dass wir Ende Juli, Anfang August
erreichen wollen. Der naechste landschaftliche Hoehepunkt wird dann in der
Gegend von Jasper und Banff angesteuert.
Viele liebe Gruesse,
Annette und Zadig
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Prince George (Di, 02.08.05)
Hallo liebe Leute Daheim, in Nordnorwegen und Marokko,
wir sind in der Zwischenzeit aus der Wildnis in ein etwas mehr besiedeltes Gebiet
vorgedrungen und sind zur Zeit in der 50 000 Einwohnerstadt Prince George eingetrudelt.
Seit einigen Tagen radeln wir auf dem Yellowhead-Hwy, der sich durch ein erhebliches
Verkehrsaufkommen auszeichnet. Fast im Sekundentakt rasen die Holzlaster an uns vorbei.
Dafuer gibt es jeden Tag einen Supermarkt, was echt irritierend ist. Man gewoehnt sich so
schnell an die grossen Distanzen und es ist schon total normal fuer uns geworden, dass
zwischen den Supermaerkten 300 bis 400 km liegen. Zur Zeit sind wir auch nicht allein,
sondern radeln mit Holger aus Franken, mit dem es viel zu lachen gibt und auch schon das
eine oder andere Bier geoeffnet wurde.
Wenn wir nicht in die Pedale tretten, haben Zadig und ich uns zu echten Hobbyanglern
entwickelt. Wir sollten uns eine Wampe wachsen lassen, und zu Hause in einen
Angelclub eintreten! Die Groesse unseres Fanges ist auch schon deutlich angestiegen.
Allerdings ist es nicht nur Genuss ohne Reue. Das Toeten des Fisches faellt uns schon
sehr schwer. Aber wenn man in ein Restaurante oder zum Tiefkuehlregal latscht, musste
ja auch ein Tier sterben.
Was gibt es noch zu berichten? Neulich sind wir an einem reissenden Fluss mit
Strommschnellen vorbei gekommmen, wo die Indianer (hier first nations genannt) nur
mit grossen Keschern bewaffnet kiloweise die Lachse rausgeholt haben. Leider haben
wir bisher nur wenig Kontakt mit den Nachfahren der Ureinwohner hier bekommen. Man
muss auch leider zugeben, dass diese Menschen fast immer sehr heruntergekommen und
unterpreviligiert wirken. Und ihre Alkoholprobleme sind oft auch unuebersehrbar. Wenn
man aber bedenkt, dass dieses Land vor Hundert Jahren mehr oder weniger noch komplett
vom westlichen Fortschritt verschont war, kann man schon verstehen, dass viele dieser
Menschen mit den Veraenderungen nicht klar kommen. Uebrigens ist hier auch nicht
alles Natur pur!! So extreme Waldschaeden wie in diesem Gebiet um Prince George und
aber auch im schoenen Kluane NP haben wir noch nie gesehen. Verantwortlich dafuer ist
jeweils ein gemeiner Kaefer, der hier die Kiefern (pine) und im Norden die Tannen
(spruce) innerhalb von wenigen Jahren in graue Leichen verwandelt. Diese brennen wie
Zunder, so dass sich die fuer diese Gegend normalen Waldbraende im Sommer viel
schneller ausbreiten koennen. Warum diese Kaefer so ueberhand genommen haben, ist
nicht ganz klar. Aber die vielen milden Winter in den letzten Jahren in Kombination
mit zu trockenen Sommern werden schon in Zusammemhang gebracht. Fuer uns ist es immer
wieder doch sehr schockierend die Auswirkungen des menschlichen Treibens in fast
menschenleeren Regionen zu sehen, wo die Folgen oft sogar offensichtlicher sind, als
im dicht besiedelten Europa.
Wir werden jetzt! dem Yellowhead-Hwy folgen und uns endlich den Rocky Mountains
naehern. Vielleicht konnen wir auch auf einen Berg steigen. Wir werden uns auf jeden
Fall mal erkundigen. Die naechsten Ziele sind die Nationalparks Jasper und Banff, die
aber wohl ziemlich ueberlaufen sind. Hier sind eben zur Zeit auch Ferien. Erstaunlich
ist, wie viele Reiseradler wir fast taeglich treffen. Das wir hier per Rad nicht die
ersten sind, war schon klar, aber irgendwie haben wir fast schon daran zu knabbern,
dass wir mit einem Schnitt von ueber 2000 km im Monat eher zu den Gemuetlichen
gehoeren. Aber vielleicht ist das auch ganz heilsam. Letztens haben wir von einem
Deutschen gehoert, der im Winter Alaska und Kanada durchradelt hat. (Ich wusste gar
nicht, dass Du letzten Winter nicht in Berlin warst, David!)
So das war's mal wieder von den Dauerurlaubern, viele liebe Gruesse
Zadig und Annette
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Wanderfreunden und Gefahren in den Rockies (Di, 09.08.05)
Liebe Freunde,
erst einmal vielen lieben Dank fuer eure netten mails, uns interessiert alles aus
Berlin und von euren persoenlichen erlebnissen und auch wir denken viel an Euch und
raetseln, was so bei euch abgeht. Wir sind jetzt in Jasper einem outdoor-Eldorado
angekommen. Hinter uns liegen vielleicht die schoensten Tage der bisherigen Reise.
Nachdem wir als vierer Express (bereits erwaehnter Bierfreund Holger, ein
unjapanischer Japaner und wir zwei Spassvoegel) mal so richtig Kilometer geschrubt
haben, wurde es uns dann doch zu anstrengend und wir haben nach einer Ausrede gesucht,
um unser Hinterteil zu entspannen. Diese Ausrede war im Provinz-Park Mountain Robson
(highest Peak of candian Rockies ca. 3950m) gefunden. Leider stellte sich dieser
wunderschoene Berg als fuer uns ungesteigbar heraus. Nur 10-15% der jaehrlichen
Besteigungsversuche sind erfolgreich, aber es fand sich dann eine wunderbare weichei
Alternative ohne Lebensgefahr (dachten wir zumindestens...). Man kann zu einem
wunderschoenen tuerkis-blauen Bergsee, der sich Berg-Lake nennt wandern. Dort haben
wir gezeltet und sind am naechsten Tag zu einer fuer unsere untrainierten Wanderwaden
Mammuttour von 30km aufgebrochen. Wir konnten oberhalb einer Gletscherzunge auf einen
Pass wandern. Von da aus hatte man Ausblick auf ein riesiges Eisfeld. Es war wirklich
atemberaubend. Natuerlich haben wir versucht, einen der umliegenden Gipfel zu
besteigen, aber das Gestein war extrem bruechig und ich (Annette) hatte bald die
Hosen voll und so sind wir dann umgedreht. Der Rueckweg war dann aber die volle
Katastrophe, weil die Beine einfach nicht mehr vorwaerts wollten. Die eigentliche
Gefahr lauerte aber allerdings nicht im bruechigen Gestein auf dem Grat zu
unerreichten Gipfel, sondern bei der harmlosen Reinigungsaktion am Gebirgsbach nach
diesem schweisstreibenden Tag. Der arme Zadig ist naemlich nur knapp einer
Beinamputation entkommen. Eine ca. 40cm dicke und 1.5 m^2 Steinplatte rutschte
ploetzlich genau in die von Z ausgesuchte Waschstelle. Er konnte sich nur durch einen
reaktionsschnellen Sprung in Sicherheit bringen. Der tiefe Schnitt in der Fusssohle
ist da sicher noch das kleinste Uebel. Als echte Aerztin hatte ich natuerlich
selbstredend nix dabei, um den Fuss zu verbinden, aber freundliche Wanderer
spendierten ein Pflaster. Nach dem der Schock ueberwunden war, haben wir den Rueckweg
am naechsten Tag dennoch sehr genossen und planen bereits neue Schandtaten, aber
diesmal mit Bergfuehrer und Seil.
Haben wir eigentlich schon mal erwaehnt, dass wir sehr gluecklich sind und dass die
letzten monate und hoffentlich auch noch die kommenden somit das Beste sind, was uns
je haette passieren koennen. Wir erwaehnen das nur, um alle zu ermutigen, die
vielleicht aehnliche Gedanken haben.
Weiter geht es jetzt auf dem beruehmten und daher stark besuchten Icefields Parkway,
den wir mit hunderten von fotographiewuetigen Touristen teilen werden, aber auch wir
schiessen das eine oder andere Bild....
Liebe Gruesse Zadig und Annette
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Canmore (Di, 16.08.05)
Liebe Leser,
viele Gruesse aus den recht frischen Rockies. Nachts sank das Thermometer
schon fast bis auf 0 Grad Celsius. Doch wir sind hier ja auch auf ca. 1300m.
Nach drei Radtagen auf dem Icefields Parkway erreichten wir Lake Louise. Am
Ufer dieses wirklich besonders schoenen Sees trafen wir dann auf eine hohe
Anzahl Japaner. So aehnlich muss es auch am Koenigsee sein. Von Lake Louise
sind wir ueber Banff in das etwas ruhigere Canmore gefahren, wo wir heute schon
den dritten Tag sind, der zum Waeschewaschen und e-mailen da ist. Gestern
haben wir uns einen kanadischen Bergfuehrer geleistet und sind eine sehr
genussvolle 9 Seillaengen Route im III bis IV Grad (fuer die, dies interessiert)
geklettert. Leider waren alle Berge um uns herum in den Wolken, sodass der
Rundblick begrenzt war. Dafuer ist hier das Waschen auf dem Campground voellig
gefahrlos [;-)] Durch gestern sind wir natuerlich heiss auf weitere Erlebnisse
in der nahezu Vertikalen, aber bevor wir unsere gesamte Reisekasse verklettern, geht
es morgen wieder weiter ! Wir wollen auf weniger befahrenen Schotterstrassen
durch die Kananaskis Country in drei bis vier Tagen Montana erreichen.
Unsere e-mail Uhr tickt. In zwei Minuten ist unsere kostenlose Session in
der Library abgelaufen und wir werden rausgekickt.....
Seid alle sehr herzlich gegruesst,
Annette und Zadig
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Zeit fuer Bilder (Do, 18.08.05)
Hallo liebe Leute,
wir haengen aufgrund von heftigen Niederschlaegen noch einen Tag in Canmore fest und
haben jetzt einen Weg und Zeit gefunden, Euch Bilder zukommen zu lassen, obwohl der
auch noch nicht ganz optimal ist, aber die Bilder kommen jetzt wenigstens fuer Euch
deutlich kleiner an, die Reihenfolge ist allerdings alles andere als chronologisch
(Datum):
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Ihr koennt jetzt unseren bisherigen Prachtfang bewundern. Ein Dolly Varden in der Naehe von Housten (28.7.).

Am Berg-Lake campierten wir zwei Naechte waehrend unserer drei taegigen Wanderung vor zwei
Wochen. Man sieht auf dem Bild auch die Nordwand von Mt. Robsen (highest peak of canadien
Rockies am 7.8.).

Auf dem Weg von Haines Junction nach Haines war es einfach extrem schoen (30.6.).

Und auf selbigem Highway auch sehr baerenreich (29.6.).

Der Abzweig vom Alaska Hwy auf den Cassiar Hwy praesentiert sich am Nachmittag so (10.7.).

Der schoene Kluane Lake in abentlicher Gewitterstimmung (24.6.).

Ein weiterer toller See: Waterfoul Lake am Icefields Parkway 70 km noerdl. von Lake Louise (11.8.).

Bei unserer Klettertour in den canadien Rockies vor zwei Tagen. Die Rute heisst Mother's
Day am Cascade Mountain bei Banff (15.8.).
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Wir hoffen, dass wir damit keine verstopften Briefkaesten verursachen....und Ihr
endlich mal wieder einen bildlichen Eindruck bekommt. Dafuer haben wir uns ja extra
'ne Digicam geleistet.
Liebe Gruesse,
Annette und Zadig
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Great Falls, Montana (Fr, 26.08.05)
Liebe Freunde und Familie,
vielen Dank fuer eure wieder zahlreichen mails! Es ist fuer uns fast
ueberraschend festzustellen, dass so viele von euch Anteil an unserer Reise nehmen,
denn wir wissen nur zu gut, dass man im Alltag oft nur wenig Nerven fuer das
Luxusleben anderer hat. Mittlerweile sind wir in Montana, USA angekommen. Wir
sind die letzten paar hundert km durch Kanada auf Schotterstrassen durch die
wunderschoenen Kananaskis Mountains geradelt, was teilweise durch weichen
Schotter etwas anstrengender war, als unser sonst uebliches Asphaltgerolle.
Dafuer hatten wir eindeutig den bisherigen Kaelterekord, den wir mangels eines
Thermometers nicht genauer als mit saukalt klassifizieren koennen. Jedenfalls
hatten wir Eis an der Innenseite des Ueberzeltes und Crunch in den
Radflaschen, echt erfrischend. Das Kontrastprogramm kam dann, als wir uns noch in
Kanada auf die Ostseite der Rockies begeben haben: ploetzlich Hitze und trockene
Praerie soweit das Auge reicht. Da hat nicht nur vor Schreck mein (Annette)
Kreislauf fast schlapp gemacht, sondern ich habe mit waehrend der naechsten
Nacht im Zelt doch glatt einen Nerven in der Schulter eingeklemmt, weiss der
Teufel wie das passiert ist, jedenfalls waren das ganz schlimme Schmerzen und
ich habe mich schon in Calgary im Krankenhaus gesehen. Zum Glueck hat ein
Motelzimmer und die mitgebrachte Eigenmedikation das Problem nach guten 24h
aus der Welt geschafft.
Tags darauf haben wir dann den 49. Breitengrad ueberquert. Das ist insofern
erwaehnenswert, weil es mit dem Wiedereintritt in die USA verbunden ist.
Trotz sehr gefaehrlich aussehender Kampfstuten-Grenzbeamtinen waren die
Formalitaten sehr unproblematisch und wir haben noch mal sechs Monate
Aufenthaltsberechtigung in Gods own country bekommen, die wir aber sicher
nicht ausschoepfen werden. Hier in Montana kommt meine alte Pferdeleidenschaft
voll hoch, ist ja schliesslich auch Malborocountry! Hoffentlich ergibt sich mal eine
Gelegenheit, irgendwo Reiten zu gehen. Bisher gab es zwar reichlich Angebote fuer
Touristen, aber das war bisher recht unattraktiv, obwohl wir die
Grundvoraussetzungen schon mitgebracht haetten: keiner wiegt mehr als 150
kg, wir wollten ja
auch jeder ein eigenes Pferd und nicht zusammen auf einem hocken...
Ansonsten fallen uns die vielen herzlichen Menschen hier auf und auch die
Widerspruechlichkeit. Auf der einen Seite dekorieren sie ihre Laeden mit den
Namen der im Irak stationierten Soldaten und stehen hinter ihren stationierten
Angehoerigen und Freunden, auf der anderen Seite erklaeren sie Dir innerhalb
von 10 min. Gespraech, dass sie nicht mit Bush und der Invasionspolitik
einverstanden sind und sich nicht als Weltpolizei aufspielen wollen.
Wir ruhen uns jetzt erstmal hier in Great Falls zwei Tage aus. Inzwischen
sind wir genau drei Monate unterwegs und haben jetzt nach 6000 km zum ersten
Mal einen Fluss erreicht, dessen Wasser in den Golf von Mexico fliessen und
nicht wie bisher in den Nordpazifik oder das Eismeer: Wir sind am Missouri
angelangt, der ja bekanntlich (wie selbstredend jeder weiss) in den Mississipi fliesst.
Weiter geht es dann zum aeltesten Nationalpark der Welt, dem Yellowstone
Park mit vielen Geysieren. Der bekannteste: Old Faithful, dessen
sprichwoertliche Zuverlaessigkeit seit einem Erdbeben in Alaska vor zwei
Jahren angeblich deutlich gelitten hat. Man kann sich halt auf nix mehr wirklich
verlassen! Wir fahren trotzdem hin, es ist ja immernoch der beliebteste Nationalpark
der Amis. Das werden wir bestimmt hautnah zu spueren bekommen: Aufgrund
ausgekluegelter Planung werden wir punktgenau am Wochenende vor dem Labour-Day (5.9.)
dort eintreffen. Traditionell sind die Campgrounds dann besonders gut besucht...
Fortsetzung folgt, liebe Gruesse
Zadig und Annette
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Boulder: relaxing with an old friend (Di, 13.09.05)
Hallo liebe anteilnehmende Reisebegleiter,
wir haben sehr lange nix mehr von uns hoeren lassen und das hatte einen
handfesten Grund. Radfahren!!! Wer haette das gedacht. Ja, wir mussten uns etwas
ranhalten, um unseren alten Freund Sean hier in Boulder, Denver zu besuchen.
Besagten Sean haben wir naemlich vor 4,5 Jahren in Patagonien, Argentienien
waehrend unserer Suedamerikareise kennengelernt. Damals sind wir fast sechs
Wochen zusammen geradelt und sind in dieser Zeit ganz gute Freunde geworden.
Sean ist damals von Denver bis nach Feuerland pedaliert. Und jetzt nach 4,5
Jahren gab es ein Wiedersehen!
Aber der Reihe nach. Von Great Falls haben wir erst einmal wie angekuendigt
den Yellowstone NP angesteuert. Auf dem Weg dahin haben wir feststellen
duerfen, dass wir und den Patagonientrip eigentlich haetten sparen koennen, denn
Montana und spaeter Wyoming sind mit ihren Graswuesten und vorallem dem
unverschaemt starken Wind fast eine Kopie dieser suedlichen Einoeden. Dafuer war
der Yellowstone NP alles andere als eine Einoede. Wir hatten aus verschiedenen
Gruenden nur sehr wenig erwartet und waren um so mehr ueberrascht, das dieser
schon 1879 gegruedete NP echt der Knueller ist. Der NP liegt zum groessten
Teil auf einem Hochplateau auf ueber 2000m. Zum Teil faehrt man durch weite
Hochebenen, wo man die letzten Bueffel einzeln oder in Herden bestaunen kann.
Diese Tiere jagen einem echt Respekt ein, es sind richtige Urviecher und wenn
so ein von der Herde verstossenen Bulle, der entsprechend gefrustet wirkt, die
Strasse aus sein Terretorium beansprucht, ist sofort ein Verkehrschaos
vorprogrammiert. Der Verkehr hielt sich aber zum Glueck stark in
Grenzen, da wir es vor dem gefuerchtenten Laborday-Weekend in und vor allem aus
dem Park wieder raus geschafft haben. Wir konnten dampfend Gysierbecken
bestaunen, die uebelriechende Erdfurze von sich gaben und natuerlich Old-Faithful,
der seine Fontaene ca. 30m hoch in die Luft schleudert. Um diesen
geruehmtesten Gysier hat sich natuerlich eine richtige Touristenfallenkleinstadt
gebildet. Aber es ging alles sehr gesittet zu. Puenktlich zu erwarteten Speizeit
namen alle Touris auf den bereitgestellten Baenken Platz und von der so
unertraeglichen Geraeuschkulisse, die uns unser Reisefuehren angekuendigt hatte, war
eigentlich nichts zu hoeren. Die einzige, die sich mal wieder nicht
beherrschen konnte war ich (Annette), da ich mir entsprechende verbale Freudenausrufe
nicht verkneifen konnte. Das hat mir auch einige verstaendnislose Blicke von
eher gelangweilt wirkenden Jungspunden eingebracht.
Nach dem Yellowstone stand der Beschluss entgueltig fest, Sean in Boulder
bei Denver zu besuchen, obwohl das ein nicht ganz unerheblicher Umweg ist. Die
naechsten knapp 1000km sind rasch beschrieben, Grashalbwueste, Hitze,
Gegenwind und unertraeglich stinkene Rehkadaver ca. alle 500m. Wir sind durch ein
Gebiet gefahren, in dem in den letzten Jahren aufgrund von steigenden
Oelpreisen wie verrueckt und ohne Ruecksicht auf die Natur oder die dort lebenden
Menschen nach Erdgas gebohrt wird. Deshalb sind die Strassen auch von schweren
Trucks stark frequentiert, die wiederum die nach wie vor in Massen vorkommende
Rehpopulation auf die Kuehlerhaube nehmen. Dies fuehrte wiederum zu einer
fast unertraeglichen oelfaktorischen Belastigung unserseits.
Hinter der Stadt Rock Springs, deren nammensgebende Quelle durch den
Kohleabbau in fruheren Zeiten schon laengst versiegt ist, haben wir uns dann noch
zwei Tage richtig amuesiert. Um die stark befahrene Interstate zu umgehen,
waehlten wir eine eher ungewoehnliche Route durch eine wuestenaehnliche
Canyonlandschaft, die unsere Leidensfaehigkeit mal wieder auf die Probe
stellte. Es waren sicher die bisher einsamsten und strapazioesten km der ganzen Reise.
Eine zum Teil bolivianisch schlechte Schotterpiste mit knackigen Anstiegen, ueber
30 Grad Celsius und ein besonders meinerseits ganz unertraeglicher Durst
(ja, ich gebe zu, dass ich Bezug auf Durst etwas zur Hysterie neige) liessen
etwas an der Sinnhaftigkeit der Routenplanung zweifeln. ( Natuerlich sind es im
nachhinein die coolsten Strecken). Der absolute Knueller war, dass wir an
Ende des ersten Tages den auf der Karte und von Lokals angekuendigten Ort
erreichten, der sich als absolut menschenleeres aber dennoch voll im Betrieb
stehendes Erdgascamp herausstellte. Ich dachte, jetzt ist der
Verdurstungstod mehr oder weniger unausweichlich (kaum uebertrieben)! Doch dann
fanden wir kurz darauf an einem Campinganhaenger, der wohl Tagsueber den Arbeitern
als Aufenthaltsraum dient, eine ganze Palette Mineralwasserflaschen und
Pepsidosen und zwar im gefuellten Zustand (leer waere ja auch witzlos gewesen).
Das ist einer dieser Momente, in denen man glaubet, dass man vom Pferd
getreten wird. Da es sich ja eindeutig um einen Notfall handelte, haben wir uns an
dieser ungewoehnlichen Bar bedient und den Arbeitern einen Brief plus
Unkostenbeteiligung hinterlassen. Da es sich gerade in den USA sicher nicht anbietet,
auf dem Grund und Boden einer Erdgasfirma zu campen (wir hatten sowieso die
ganze Zeit Angst, das jemand aus einem Gebaeude stuerzt und uns mit einer
shotgun Beine macht), ging es bereits in der Abenddaemmerung 30km weiter bis zum
naechsten Ort, wenig ueberraschender Weise wieder ein Erdgascamp,
aber diesmal mit Wohnhaeusern, die jedoch bis auf drei alle leer standen. Ein
16 jaehriges Maedchen, die ihr ganzes zugegebener Massen kurzes
Leben in diesen Gosttown mit ihrem alkoholkranken Vater lebt und die jeden Tag
60km zu Schule faehrt, hat uns dann mit Leitungswasser beglueckt. Nach 142km
und ueber 9h Fahrzeit schmeckt das Fertigreisgericht unter einem
atemberaubenden Sternenhimmel, wie ein Gourmetmenue in einem 5 Sterne Restaurant.
Nach dem Ort Caig ging es dann wieder richtig in die Berge. Vorgestern sind
wir dann im Rocky Moutain NP die hoechste asphaltierte Passstrasse in
Nordamerika mit fast 3800m Hoehe gefahren, erfrischender Weise in Schneeschauern und
wurden dann von unserem Freund Sean am Ende der langen Abfahrt aufgesammelt.
Die letzten 30 Meilen (immerhin fast ein halber Radtag) bis zu seinem Haus
haben wir dann frefelhafter Weise im Auto zurueckgelegt. Jetzt spannen wir
erst einmal ein paar Tage aus und dann geht es weiter Richtung Utah.
Viele liebe Gruesse,
Zadig und Annette
|
daybyday Fotocenter: Öffentliches Album von Zadig und Annette (Sa, 17.09.05)
Liebe Freunde,
es gibt wieder ein paar neue Bilder. Diesmal sind sie im Internet zu
besichtigen. Unter dem unten angegebenen Link sind einige Bilder, die Ihr bereits
kennt mit neuen Bildern vermischt, denn die Bilder sind alphabetisch geordnet
und leider nicht zeitlich.
Wenn Ihr die Bilder inklusive der vollstaendigen (!) Bildunterschrift sehen
wollt, ist es am guenstigsten, auf Slideshow zu klicken.
Viel Spass, vielleicht schaffen wir es noch, die Reihenfolge richtig zu ordnen....
Liebste Gruesse,
Annette und Zadig |
Der Link lautet:
http://fotocenter.daybyday.de/login/guest/index.html/533228594/1486179132900/477031 |
Boulder-Moab: Klettern statt Radeln (Mo, 26.09.05)
Liebe Familie, Freunde und Interessierte,
wie heisst es doch so schoen, Plaene sind dazu da, um geaendert zu werden.
Dieses haben wir kraeftig beherzigt und haben den Raedern eine wohlverdiente
Verschnaufpause gegoennt. Als wir naemlich vor gut einer Woche in Boulder bei
unserem Freund Sean das Chaos in seinem Arbeitszimmer mehr oder weniger
beseitigt hatten, will sagen alles war gepackt und abfahrbereit, kam es in letzter
Sekunde zu einer drastischen Routenaenderung. Sean machte uns klar, was wir
alles verpassen wuerden, bzw. was er alles mit uns unternehmen wuerde, wenn
wir denn wollten. Durch den einen Tag Klettern bei ihm richtig heiss geworden
handelten wir mit ihm folgenden Deal aus: Wir bleiben noch eine Woche
drahtesellos und er faehrt uns nach Moab in Utah (650 km eine Strecke!). So koennen
wir mit ihm und seiner Freundin ausgiebig klettern gehen und verlieren keine
Zeit, denn auf unserem Weg zur Kueste lauern noch die tueckischen Paesse der
Sierras, die Ende Oktober meist wegen der ersten Schneefaelle geschlossen
werden. Und so kam es dann auch. Bevor wir aber uns auf den Weg in ein nur 3
Autostunden entferntes Klettergebiet gemacht haben, mussten wir auch noch zu
allem Uebel auf ein Greenday-Konzert gehen. Es gab fuer uns Freikarten unter der
Voraussetzung, dass wir fuer Greenpeace-Kampanien Werbung machen. Dafuer
wurden wir mit T-Shirts ausgestattet, auf denen der US-Praesident noch duemmer
als in Natur aussieht, schlecht vorstellbar. Dadrueber prangt der Slogen:
"Corportative Polluters ate my Brain". Wir fanden die T-Shirts zwar super,
fuehlten uns aber als Auslaender doch etwas unwohl in diesem Shirt. War aber alles
kein Problem, da die gerade aus dem Kindergarten entwachsenen Konzertbesucher
meist mit Greenpeace und wahrschienlich auch mit dem T-Shirt nix anfangen
konnten (Sticker waren aber sehr gefragt, Informationsbroschueren eher
weniger). Nach diesem ueberzeugenden Auftritt als Greenpeace-
Aktivisten sind wir dann nach dem wirklich fetzigen Konzert noch nachts drei
Stunden in besagtes Klettergebeit namens El Penetente gefahren, wo wir uns
drei Tage im Fels amuesiert haben. Dann ging es per Auto bzw. besser Truck
(der allerdings mit drei Fahrraedern, unserer gesamten Ausruestung, 'nem Haufen
Kletterzeuch und einem praktischen Partyzelt als Sonnenschutz, sowie den fuer
Amerikaner unverzichtbaren Klappstuehlen am Rande seiner Kapazitaet war)
nach Moab. Es ging vorbei an herbstlich gefaerbeten Espenwaeldern hinein in die
Wueste. Die atemberaubenden roten Sandsteinformationen sind noch
beeindruckender als im Fernsehen, eine wirklich grandiose Landschaft wie ein riesiger
Abenteuerspielplatz. Wir haben hier mit unseren beiden amerikanischen Freunden
noch mal zwei Tage Dessert-Climbing gross geschreiben, einfach grandios. Heute
Morgen waren wir alle kurz davor unsere Plaene und ihre Verpflichtungen in
den Wind zu schiessen und uns weiter von Kletterspot zu Kletterspot zu
hangeln. Doch unsere Vernunft siegte dann (leider?) doch und so machten sich Sean
und Erin auf den nicht ganz unbedeutenden Rueckweg nach Denver (bzw. Boulder)
und wir uns auf den Weg zum naechsten Internet-Cafe, um Euch an unseren
Erlebnissen teilhaben zu lassen.
Neue Fotos zum aktuellen Text gibt es wieder unter:
http://fotocenter.daybyday.de/login/guest/index.html/533228594/1486179132900/477031
Die allerbesten Wuensche fuer Euch alle,
Eure Annette und Zadig
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Las Vegas (Mo, 10.10.05)
Hallo liebe Leute,
es melden sich Zadig und Annette aus der Stadt des Irrsinns, die wir gestern
recht durstig und verschwitzt, wie es sich auch in der Wueste gehoert,
erreicht haben.
In Moab, Utah haben wir uns und vorallen den Raedern noch den beruehmten
Slick-Rock trail angetan. Es handelt sich dabei um einen 15km langen Rundkurs
ueber mehr oder wenigen abartig steile Felsen und knietiefen Sand. Um es gleich
vorweg zu nehmen, es hat nur maessigen spass gemacht und bei mir (annette)
zu einem nicht unerheblichen Hautverlust am arm und einem verbogenen
Schaltauge gefuehrt. Zadig hat sich da schon etwas bessser angestellt, was er damit
erklaerte, dass er bereits in den Tagen davor beim Klettern im Vorstieg so
viel Angst hatte, dass sozusagen ein gewisser Abstumpfungseffekt eingesetzt
hatte. Wie auch immer, mountainbiken ist wohl nicht so unser Ding, die Landschaft
am Slick-Rock Trail ist allerdings der Knueller.
Von Moab ging es dann nach 15 Tagen Rad-Abstinenz endlich pedalierender
Weise weiter. Und um ehrlich zu sein, war die Umstellung vom Auto zum Drahtesel
schmerzhafter, als wir uns das gewuenscht haetten. Erstmals kamen bei uns
Neidgefuehle und Zweifel an der Sinnhaftigkeit unserer Fortbewegungsart auf,
zumal unsere NEU erworbenen Maentel aus Papier gefertigt scheinen: Kein Tag ohne
Platten und manchmal auch zwei (Merke: Haende weg von Ritchey Speedmax! -
Speedmax bezieht sich wohl auf den Speed, mit dem die Luft staendig entweicht).
Zum Glueck hat jedoch unsere "Sinnkriese" nicht ewig angehalten, denn der Weg
nach Las Vegas hielt noch diverse Highlights bereit und das nicht nur durch
das staendige Einatmen der Klebstoffdaempfe beim Reifenflicken. Man radelt
durch fantastische rotleuchende Canyons und bizzare Sandsteinformationen. Am
Bryce-Canyon Nationalpark stehen tausende von Sandsteintuermchen, sog. Hoodoos.
Die Indianer hielten diese Sandsteintuerme fuer die versteinerten
Koerper ihrer Ahnen, die sich zu Lebzeiten auf der Erde daneben benommen
hatten. (Der Name Hoodoo bedeutet soviel wie schlechter Mensch.) Der naechste
Nationalpark war dann der Zion-NP, wo wir eine wunderschoene Wanderung zum
Angels-Landing unternommen haben. Man kann recht steil und ausgesetzt auf einen
ca. 500m hohen Tafelberg kraxeln und hat einen fantastischen Ausblick in den
tief eingeschnittenden Zion-Canyon. Die Wanderung ist so spektakulaer, dass
sogar der Z hellwach war und nicht von Einschlafattaken gequaelt wurde (wie
sonst beim Wandern ueblich).
Die letzten zwei Tage von St. George nach Las Vegas haben uns schon mal
einen Vorgeschmack auf unsere weitere Reiseroute durch das Death Valley gegeben.
Seitdem wir uns wieder unterhalb von 1000m aufhalten (erstmals seit Canada!)
ist es deutlich waermer (um nicht zu sagen heiss) geworden und ein
ausgetrockneter Mund ist unser staendiger Begleiter. So erreichten wir salzverkrustet
am Samstag abend in der Daemmerung den "Strip" von Las Vegas, ohne einen
Plan, wo wir naechtigen sollen - perfektes Timing ist eben unsere Staerke.
Doch es nahm ein gutes Ende mit uns: Jetzt sitzen wir im 12. Stock im Hotel "San
Remo" (gleich gegenueber vom MGM Grand Hotel) und koennen im Zimmer e-Mails
schreiben. Und das Dollste ist, das Zadig gestern Abend mit 25 Cents Einsatz die
Wahnsinnssumme von $ 6.5 abgesahnt hat. Da kommt natuerlich jetzt die Frage
auf, ob wir hier eine vielversprechende Karriere als professionelle Spieler
starten sollten....
In ein bis zwei Tagen machen wir uns auf ins Tal des Todes und danach
hoffentlich ueber den Tioga-Pass (wenn er nicht vorher zuschneit) ins Yosemite
Valley: Erst werden wir gegrillt, dann schockgefroren. Drueckt die Daumen, dass
es klappt, denn vor diesem Teilstueck fuerchten wir Softeggs uns schon seit Alaska.
Viele liebe Gruesse,
Eure Annette und Zadig
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San Francisco (Mi, 02.11.05)
Liebe Freunde und Verwandte,
seit drei Tagen sind bereits wir in San Francisco. Wir schreiben erst jetzt,
weil man ja vorher damit beschaeftigt war, die Anweisungen aus den bekannten
Liedern zu erfuellen: Blumen im Haar zu tragen und am Hafen zu sitzen und
die Zeit zu verschwenden...
Seit der letzten Mail aus Las Vegas ist nahezu erwartungsgemaess mal wieder
einiges passiert, darum wird die Mail jetzt wahrscheinlich so lang, dass
sich lesen in Etappen anbietet.
Die Fahrt hinab ins Death Valley war noch sehr gemuetlich. Es wurde immer
waermer und waermer, eigentlich fast schon heiss, doch wir hatten "Glueck"
und es war nur 100 Grad F warm, d.h. weniger als 40 Grad C! Dank des
Nationalparkstatus war allerdings die Wasserversorgung voellig
unproblematisch, da es zwei Besucherzentren gibt, die alle erdenklichen
Erfrischungen feil bieten und
bei einem gibt es sogar einen Pool, in den man fuer drei Dollar hineihuepfen
darf. An einem dieser Zentren im Tal des Todes (Stovepipe Wells) haben wir
dann auch gezeltet und waren nach unserem ueblichen Nudelgericht am Abend
selbstverstaendlich noch so verfressen, dass ein kurzer Spaziergang zum Shop
eingelegt werden musste, um Kekse zu erstehen. Als wir wieder zum Camp kamen,
huschte in der Dunkelheit ein Schatten an uns vorbei. Schoene Bescherung:
mein Rad war umgekippt und eine Tasche lag 50 m vom Rad entfernt. Der Schatten war
ein Kojote, der zielsicher die Essenstasche ausfindig germacht hat und diese teils
erstaunlich geschickt, teils rabiat vom Rad abgeloest hat
und drauf und dran war den Inhalt als sein Abendessen einzunehmen. Die Tasche
ist nun ziemlich ramponiert, doch wir kamen ja gerade noch rechtzeitig....
Die Fahrt aus dem Death Valley war dann eher muehselig: Von knapp unterhalb
des (zum Glueck virtuellen) Meeresspiegels geht es erstmal auf 1600 m hoch,
dann achterbahnartig wieder runter, wieder hoch, dann vorbei an bizzaren
Joshua Trees, wo auch das Coverfoto vom entsprechenden U2 Album entstanden ist,
wieder runter und auch selbstverstaendlich wieder hoch, dann runter zum
naechsten Plattencover: Die mondartigen Tuffsteinformationen des Mono-Lakes zieren
Pink Floyds "Wish you were here" Album. Am Mono-Lake haben wir einen Tag Ruhe
eingelegt, denn die vielen Paesse haben meinem Ruecken (Zadigs) gar nicht gut
getan. Ich hatte ziemliche Schmerzen und wir beide waren in groesserer
Sorge, ob ich noch weitere Paesse fahren sollte.... Doch ein Tag mit Ruhe,
Gymnastik und Spazierengehen reichte sogar und so konnten wir endlich ueber den 3000m
hohen Tioga-Pass in das beruehmte, viel besuchte und atemberaubende
Yosemite Valley radeln. Dort haben wir vier Tage im legendaeren Camp 4 verbracht.
Camp 4 ist nicht legendaer, weil es nach einem berliner Outdoorladen benannt
ist, sondern weil so ziemlich jede(r) namhafte Kletterer/in dort eine
gewisse Zeit verbracht hat, bzw. dort staendig ein und aus geht. Aber auch so
gemuetliche Leute wie wir haben da ihren Platz. Wehmuetig haben wir die verwegenen
Maenner und Frauen dabei beobachtet, wie sie ihre unzaehligen Seile und
Karabiner sortiert haben und uns klar war, dass die grossen Granitwaende hier
einige Nummern zu wild sind. Doch immerhin konnten wir den spektakulaersten Berg
des Tales, den "Half Dome", auf einem tollen, klettersteigartigen Wanderweg
besteigen und dabei dramatische Fotos schiessen. Im Gebiet um den Yosemite-NP
kann man dann auch noch bis zu 4000 Jahren alten Riesen Baeumen namens
Gigant Sequoias besuchen. "The greatest living things on earth" werden sie
angekuendigt und sie sind in der Tat ehrfurchtserregend. Unvorstellbar dass diese
Schaetze im letzten Jahrhundert aus Profitsucht zum Teil gefaellt wurden....
Die Fahrt von Yosemite nach San Francisco war dann zum Teil eher laestig als
angenehm. Man muss irgendwie durch diese superdicht besiedelte Bay-Area
kommen und das Minimum sind 80 km Stadt, aber wir sind ja in Berlin auch Rad
gefahren und haben unsere Erfahrungen... Allerdings fahren wir in Berlin mit
vernuenftigen Reifen und haben in der Regel weniger als 4 (in Worten: vier)
Platten auf 80 Stadtkilometern.
Wir bleiben noch mindestens bis Freitag hier in der Stadt. Wir haben etwa
Halbzeit bei unserer Reise und bringen hier so viel wie moeglich auf
Vordermann: Annettes Therm-A-Rest Matte hat ein Loch, ihr Freilauf am
Hinterrad ist am sterben und muss ausgewechselt werden, wir beide brauchen dringend
neue Ketten, neue Reifen und das wichtigste: unser treues Stoffhaus (das Zelt)
hat in den letzten Wochen bei den Reisverschluessen stark abgebaut. Doch zum Glueck
ist hier das Garantiezentrum von "The North Face"! Dort waren wir gestern und
sind seitdem noch ueberzeugtere "North Face" Zelteigner: Innerhalb von 24 h
bekommen wir neue Reisverschluesse eingenaeht, ein neues Gestaenge und wenn
noch vorraetig einen passenden zusaetzlichen Zeltboden! Und das kostenlos fuer
ein neun Jahre altes und intensiv gebrauchtes Zelt, super!
Gestern ging hier uebrigens voll die Post ab. In der Nacht vom 31.10 zum
01.11 wird ja hier in USA traditionell die oesterreichische Hauptstadt
gegruesst: Hallo Wien! Im Schwulen und Lespenviertel findet eine Mischung
aus Berliner Love Parade und Mainzer Fassenacht statt. Das ganze Viertel wird von der
Polizei abgesperrt und jeder der rein will auf Alkohol und Waffen kontrolliert.
Die Verkleidungen rangieren zwischen echt unheimlich bis total pervers. Wir
mittendrin, aber dann auch recht schnell wieder raus, da das Gewummere der
Technobeats noch nicht so unsere Welt ist. Aber so haben wir mal einen Eindruck
von Halloweenparties bekommen.
Zu dem ganzen Text gibt es auch wieder ein paar Bilder, es sollte jetzt
problemlos funktionieren, keine Ahnung, warum bei es beim letzten Mal
Schwierigkeiten gab. Wir hatten hier etwas Zeit, um die Bilder etwas zu
ordnen. Alle Bilder sind endlich zeitlich geordnet.
Es gibt auch zwei Bilder von krabbelndem Spinnengetier, dem man in der
Wueste halt so ueber den Weg laeuft. Einmal eine grosse Tarantel (trifft man hier
zur Zeit regelmaessig). Die kleine kugelige schwarze Spinne ist moeglicher
Weise eine Art "Schwarze Witwe". Das Foto ist leider nur maessig, aber ich
musste es irgendwie ohne Blitz und Stativ hinkriegen, da die vermeintliche Witwe
an einer weissen Wand sass (in der Herrenduschkabine eines asseligen
Campingplatzes in Pahrump uebrigens!!) und man mit Blitz halt nur Weiss auf dem Bild
hatte. Wer lusst auf Spinnenbestimmung hat, kann ja gerne eine genauere
Bestimmung vornehmen und uns das Resultat schicken.
Die herzlichsten Gruesse und aus San Francisco selbstverstaendlich: LOVE and PEACE
Eure Annette und Zadig
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Liebe Fotogucker,
Es gibt einen neuen Link, diesmal haben wir es mit Passwort versehen (siehe
unten). Wir haben den Link mehrmals getestet und hoffen, dass es auch bei
Euch klappt.
Sorry for any inconvinience!
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Passwort: azcycle
Link:
http://fotocenter.daybyday.de/login/guest/index.html/533227196/4505994132900/493734
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Eure Zadig und Annette
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L.A. (So, 20.11.05)
Hallo liebe Familie und Freunde,
viele Gruesse aus Polen! Nein, natuerlich nicht, aber wir sind gerade von einem
polnischen Paar vor einem Supermarkt in Newport Beach aufgelesen worden und mit nach
Hause genommen worden, wo ich jetzt gleich vor dem Laptop gelandet bin. Gleich gibt
es Sauerkraut mit irgendeiner polnischen Spezialitaet und wir fuehlen uns fast wie zu
Hause.
Inzwischen haben wir uns von San Francisco an der Kueste bis nach L.A. vorgearbeitet.
Die Kueste ist leider ziemlich zugebaut bis auf einen Abschnitt um den Ort Big Sur,
wo noch einige der letzten Reste der Red Woods stehen. Diese beruehmten Baumriesen
wurden innerhalb der letzten 150 Jahre fast zu 95% ausradiert, da sich das Holz als
sehr verrottungsbestaendig erwiesen hat. Der beruehmte Hwy 1 schlaengelt sich zum
Teil hoch ueber dem Meer, zum Teil direkt am Strand Richtung L.A..!
Leider haben wir auf den letzten 1000 km doch sehr viel mit dem Verkehr und den
teilweise irrsinnig gelegten Radruten zu kaempfen gehabt. Mal wird man in eine
Sackgasse geleitet, mal landet man auf der Autobahn. Aber das kennt man ja auch aus
anderen Teilen der Welt und vor allem heimatlichen Gefilden. Dafuer werden die
Straende, je weiter man nach Sueden kommt, immer schoener und es wimmelt von Surfern
und Koerperbewussten. Besonders die Straende von L.A. sind ein riesiger open-air
Fittnesscenter (und das, wo wir noch nie in unserem leben einen Fuss ueber die
Schwelle einer solchen Einrichtung gebracht haben). In Hermosa Beach haben wir uns
zwei Tage im Hostal einquartiert, nachdem wir lange, verzweifelt und doch leider
erfolglos den Gebrauchtwaren-Center Titus Jonas gesucht haben. Wir hatten die
Hoffnung, Justus, Peter und Bob bei ihren Ermittlungen helfen zu koennen und im
Gegenzug kostenlos uebernachten zu koennen.
Wenigstens haben wir mal einen richtigen Beachtag eingelegt und Baywatch gespielt:
Z als Lifeguard und A als Beach Queen, ist allerdings nicht sonderlich wahrgenommen
worden :-) . Da wir nun schon mal in L.A. waren, sind wir am naechsten Tag mit dem
OEPNV nach Hollywood gefahren. Dort haben wir einen gewissen Herrn Spielberg getroffen
und haben schon mal die Verfilmung unserer Reise klargemacht. Es wird sicher
niemanden verwundern, dass sich die Jungs von Paramount vor Begeisterung kaum halten
konnten und sofort mit den Dreharbeiten beginnen wollten. Somit ist die finanzielle
Seite der weitern Reise erstmal gesichert, super. Jetzt mal im Ernst, das Beste an
Hollywood ist der armenische Supermarkt im armenischen Viertel (wirklich!). Ansonsten
ist das ganze ein ziemlicher Reinfall, viel Schrott unter schrottiger Fasade. Keine
Ahnung wie die es hinkriegen, dass es im Film alles glamoroes aussieht. Wir sind
jedenfalls ueber den Walk of Fame gelatscht und haben die obligatorischen Fotos
geschossen.
Was allerdings wirklich beeindruckend ist, sind die Kontraste zwischen Arm und Reich.
Waehrend wir bei Malibu an Anwesen vorbeigeradelt sind, die fast halb Zehlendorf
beherbergen koennten, stapeln sich seit San Farancisco die homeless people, sprich
die Penner. Wir sind seit wir der californischen Kueste folgen direkt mit diesem
Problem konfrontiert, da die Obdachlosen fast tagtaeglich unser direkten Nachbarn
sind: In Californien gibt es auf vielen Campingplaetzen sogenannte Hiker und Biker
Plaetze, die nur 2-5 Dollar pro Nase kosten (die normale Site kostet ca. 25 Dollar!!).
Tolle Einrichtung, leider werden viele dieser Plaetze bald abgeschafft, da dort
hauptsaechlich Penner uebernachten und einige von denen natuerlich das uebliche
Alkoholproblem haben. Wir haben allerdings bisher nur gute Erfahrungen gemacht und
uns einen ganzen Abend mit einem homeless guy namens Dub unterhalten. Es ist
jedenfalls erschuetternd! , wie viele Menschen ihr ganzes Hab und Gut im Einkaufswagen
transportieren und hier hat die Armut doch ganz andere Ausmasse als in Deutschland.
Die naechste Station ist San Diego und dann geht es endlich nach Mexico. Nach fast 6
Monaten USA und Canada und jetzt fast 11.000 km sind wir der endlosen Shopping Malls
und der ausufernden Staedte etwas ueberdruessig und freuen uns auf Mittelamerika.
Viele liebe Gruesse, Zadig und Annette
|
New Pictures (Do, 24.11.05)
Liebe Leser und Fotogucker,
hier ein paar neue Bilder. Im Las Vegas - San Fran Ordner sind noch ein paar Bilder
von San Francisco und vom Halloween dort gelandet. Dann gibt es noch einen neuen
Ordner San Fran - San Diego.
Das wars dann wohl mit den U.S.A.. Mal sehen, ob wir auf der Baja California auch
noch die Moeglichkeit finden, Euch etwas zur Unterhaltung zukommen zu lassen...
Vielleicht unsere ersten Surfversuche, da gibt's sicher einiges zu lachen....
Inzwischen kennen sicher alle den "Trick", wie man an die Bilder kommt, falls es mit
dem Klick auf den Link nicht klappt: Einfach den Link kopieren und in die Adresszeile
des Browsers (offensichtlich funktioniert es mit Internet Explorer am besten) direkt
einfuegen. Enjoy!
Hasta luego,
Annette und Zadig
|
Mal wieder L.A.
New Pictures (Do, 08.12.05)
Hola amigos,
viele Gruesse aus Los Angeles, da staunt Ihr, was? Aber diesmal handelt es sich um
Bahia de los Angeles auf der Baja California, wir sind also in Mexico angekommen und
es ist einfach super!
Der Grenzuebertritt im kleineren und ruhigeren Ort Tecate (den beruechtigten
Drogenuebergangsort Tijuahna wollten wir uns nicht antun) erfolgte lehrbuchmaessig
deutlich nach Eintritt der Dunkelheit. Ich war etwas unlocker um nicht zu sagen total
unlocker, aber alles stellte sich als unproblematisch und freundlich heraus. Waehrend
unserer Reise sind wir naemlich von fast jedem Ami unaufgefordert aber eindringlich
vor Mexico mit seiner faulen und komplett kriminellen Bevoelkerung gewarnt worden.
Besonders viele Details konnten diejenigen liefern, die niemals einen Fuss aus dem
gelobten Land gesetzt hatten. Leider haben diese Geschichten aber dennoch eine
gewisse Wirkung gezeigt, so dass bei mir, allerdings nicht beim Z, Unruhe aufkam, als
es dunkelte und die Grenze immer noch 10 Meilen entfernt war. Widererwartend sind wir
dann aber komischer Weise weder ueberfallen worden, noch wurde uns sonst eine Art von
Leid angetan. Der so vielbeschworene Kulturschock fiel dann recht harmlos aus, denn
so arm und heruntergekommen ist alles gar nicht.
In Tecate haben wir uns dann erst Mal einen Tag aklimatisiert und sind dann Richtung
Sueden auf der Baja aufgebrochen. Die ersten Tage waren radfahrtechnisch leider eher
ein Ueberlebenstraining, da die Strasse vorwiegend von riesigen, wahnsinnig schnellen
Lastern befahren wird, die uns so einige Male in den Strassengraben gezungen haben.
Wir haben aber auch nicht auf unser Recht bestanden, der Kluegere gibt ja bekanntlich
nach...!
Die Menschen sind dafuer hier sehr freundlich, jedoch leider nicht so interessiert
wie in Amiland. Das hat zur Folge, dass unser Spanisch nur langsam Fortschritte macht,
aber das wird sich hoffentlich auch noch aendern, oder wir muessen mal zum aeussersten
greifen und selber auf die Leute zu gehen.
Seit dem Ort Rosario hat sich die Landschaft fantastisch geaendert. Die Herzen aller
Kakteenfreunde muessten beim Ablick der zum Teil 8-10m hohen Saeulenkakteen und der
unzaehligen unterschiedlichen Arten der Stachelwesen ueberschaeumen. Zum Teil faehrt man
durch richtige Waelder von Kakteen. Eine besonders bizarre Landschaft findet man in der
central desierto, wo zwischen diesen Kakteenmassen zum Teil haushohe Felskloetze liegen.
Selbstverstaendlich haben wir dort unsere Kletterschuhe rausgeholt, obwohl wir immer Angst
hatten, in einer Felsspalte in eine Schlange oder giftige Spinne zu fassen.
Seit drei Tagen sind wir jetzt in der Bahia de los Angeles an der Ostseite der Baja California
und wenn man mal von der fehlenden Vegetation absieht, ist es hier echt ein Traum. Fuer 8
US Dollar am Tag haben wir eine Art Palmwedelhuette gemietet direkt am Strand. Das Wasser
ist auf der Golfseite viel waermer als am Pazifik. Mit zwei Schweizern, die mit Auto und
Kajak unterwegs sind, haben wir die letzten zwei Abende unser Abendessen aus dem Meer
gefischt und die Fische ueber dem Lagerfeuer gebraten. Das Meer wimmelt von Leben und
staendig kann mal die Pelikane nur wenige Meter von uns entfernt fischen sehen. Ich muss
jetzt leider mit meiner Schwaermerei aufhoeren, denn gleich haben wir Halbzeit zwischen
Ebbe und Flut und somit die beste Angelzeit. Wir werden Morgen uns wieder richtung Pazifik
aufmachen, denn dort wartet ein anderes Highlight. In den warmen flachen Lagunen kommen
jedes Jahr mitte bis Ende Dezember Hunderte von Grau-Walen von ihrer 8000km langen Reise aus
dem Eismeer um hier in ihrer eigenen Kinderstube ihe Jungen zur Welt zu bringen. Es werden
natuerlich diverse Wale-watching- touren angeboten und angeblich schwimmen die Wale gezielt
zu den Booten um sich streicheln zu lassen. Mal sehn was dran ist, an dieser Geschichte, wir
sind allerdings etwas frueh dran.
Wir wuenschen Euch eine schoene Adventszeit und werden demnaechst sicher ein paar Bilder
hinterher schicken.
Viele liebe Gruesse,
Eure Zadig und Annette
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Adventsgruessegruesse aus dem Paradies (Mi, 14.12.05)
Liebe Familie und liebe Freunde und Anteilnehmende,
die bloede Nachricht gleich vorweg, die Wale sind zu langsam, bzw. wir sind einfach zu
schnell, was man ja eigentlich kaum glauben moechte. Sie sind jedenfalls noch nicht
angekommen und so werden wir sie wahrscheinlich nicht streicheln koennen. Immerhin habe ich
(A) wenigstens ein Walbild getaetschelt (siehe Bildergalarie). Das war wenigstens auch gar
nicht unheimlich!!
Die letzten Naechte haben wir immer im Kakteenparadis verbracht. Das ist allerdings gar nicht
so einfach, wie man vielleicht denkt. Als erstes muss man mindestens einen kilometer vom Hwy
wegkommen, um nicht vom naechtlichen Gedroehne der Laster um den Verstand zu kommen. Dann
muss man einen Platz finden, der einigermassen windgeschuetzt ist, damit einem nicht das
Stoffhaus um die Ohren fliegt und schlussendlich muss man dann auch noch akribisch den
geplanten Zeltaufstellplatz von Dutzenden von Dornen befreien. Trotz aller Sorgfalt hat dann
doch so ein Boesewicht von Dornenstachel meine Isomatte masakriert. Hart schlafen ist ja
sowieso viel gesuender, nicht wahr? Inzwischen haben wir aber das Loch schon geortet und dem
weiteren Luftaustritt einen Riegel vorgeschoben. Man zeltet eben nicht mit einer Luftmadratze
zwischen Stachelwesen.
Wir sollten uns aber dennoch nicht beklagen. Im Oasenort San Ignacio werden tropische
Gefuehl geweckt. Nach vielen Naechten ohne Wasser und Annehmlichkeiten in der Kakteenland
haben wir jetzt hier das grosse Los gezogen. In einem B&B unter Dattelpalmen schlafen wir in
einem moebelierten Zelt und hoeren die Geraeusche des Urwaldes (ja, ja, es ist ja nur eine
Oase in der Wueste, aber es sieht fast aus wie ein Urwald). Wir koenne uns an den Palmen, die
sich unter der Last der Datteln biegen, kaum satt sehen. Zum B&B gehoeren auch Kajaks, mit
denen man auf den Oasensee padeln kann, einfach Wahnsinn!!! Dazu kann man hier auch schon
exotische Voegel beobachten und die Vorfreude auf die richtigen Tropen waechst.
Die neuen Bilder illustrieren den Reiseabschnitt von San Diego zur Baja California Sur. Ich
habe beim letzten Mal, glatt vegessen zu erwahnen, dass wir in einem Ort in der Naehe von San
Diego namens Ramona drei Naechte bei Bernd und Tam sehr nett aufgenommen wurden. Bernd hat
wie Zadig in der AG Willig promoviert und hat dann mit Frau und Kindern Deutschland den
Ruecken gekehrt. Jetzt wohnen sie in einem wunderschoenen Haus mit eigenem Weinberg und
koennen jeden Tag Apfelsinen und Pampelmusen aus dem eigenen Garten essen und wir konnten
mitessen; vielen Dank nochmal! Dann koennt ihr noch die mex. Grenze begutachten, Bilder von
Kakteen, Zeltplaetzen und auch Hoehlenmalereien (mit original Urmensch daneben) und so weiter
und so weiter. Sollte jedoch jemand gerade akute Winterdepressionen haben, sollte er oder
sie die Bilder lieber nicht oeffnen (nein, wir wollen Euch nicht neidisch machen, sondern
Euch motivieren, auch mal her zu kommen!!) Die Bilder sind etwas kleiner als bisher, weil
mex. Leitungen nur 3 kB/s ins Internet uebertragen wollen und wir nach 3 h hier am Rechner
jetzt genug haben.
Viele liebe Gruesse und wie immer vielen Dank fuer die netten mails, es gruessen herzlich
Zadig und Annette
P.S. Tip: man kann uebrigens Bilder auswaehlen und dann ueber den Button Aktion waehlen -
Bildershow starten alle Bilder mit Beschriftung gaaanz gross sehen.
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Der Foto-Link ist jedesmal neu
Amigos,
Es gibt 16 Bilder von der Baja. Hoffentlich habt Ihr Freude beim Ansehen und keine
Passworthindernisse oder sonstige Probleme beim Betrachten.
Alles Liebe
Annette + Zadig
Passwort: azcycle
Login gültig bis: Unbefristet
Link: http://fotocenter.daybyday.de/login/guest/index.html/533218297/6516796132900/493734
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Autsch!!!! (Fr, 23.12.05)
oder warum wir jetzt das spanische Wort fuer Seeigel kennen.
Hallo liebe weihnachtsmaenner und -frauen,
hier noch mal eine vorweihnachtliche Meldung aus dem Paradies. Wir sitzen seit vier Tagen
in einem wundeschoenen Ort namens Loreto schmerzhaft fest und das kam so: Seit der letzten
mail aus San Ignacio ist kilometermaessig nicht viel passiert. Wir sind an traumhaften
Straenden und trockenen Wuesten vorbeigeradelt. Die erste beinahe Katastrophe ereignete sich
eine Tagesetappe vor Loreto, als wir um ein Haar von einem wildgewordenen Faekaltank
erschlagen wurden. Dieser loeste sich bei voller Fahrt von seiner Befestigung unterhalb eines
Campers und flog nebst seines appetitlichen Inhaltes knapp an uns vorbei, echt dufte!!!!
Hier in Loreto angekommen, fanden wir einen Zeltplatz direkt am Meer zwischen den
Alterssitzen der US-Rentner. Zadig kam in seiner Schwimmlust auf die fatale Idee, doch mal
die Wassertemperatur zu checken, bzw. eine kleine Schwimmeinheit einzulegen. Ich hinterher,
man koennte ja was verpassen. Das Wasser ist auch echt der Knueller, aber nach 20 min. wird
es doch etwas kalt und so steuerte ich in bekannter schwimmerischer Brillianz das Ufer an.
Als mein Fuss den Boden beruehrte, dachte ich, ich sei auf ein Nadelkissen (mit den Spitzen
nach oben, natuerlich) getreten. Da es sich offensichtlich um eine Seeigelkolonie handelte,
lauerte bereits der naechste Unholt einen Schritt entfernt auf meinen anderen Fuss. Ich hab
natuerlich Alarm geschlagen, ist ja klar. Der liebe Zadig wollte mich dann als echter Mann
aus dem Wasser tragen und trat dabei auch noch in so ein Stachelmonster. Das Ende der
Geschichte war, das wir beiden "tontos alemanes" auf allen Vieren aus dem Wasser gekrochen
sind. Dabei habe ich es mir natuerlich nicht nehmen lassen, mit der linken Hand noch mal
ordentlich zuzugreifen, autsch!!!!!
Nun bot sich endlich die Gelegenheit ein mexicanisches Krankenhaus von Innen zu sehen.
Erfreulich ist, dass von Patientenmassen wie im Sankt Gertrauden keine Rede sein kann. Ein
freundlicher, beleibter Hausmeister in schlabbrigen Jogginghosen fuehrte uns ins
Behandlungszimmer. Als er ohne lange zu fackeln zur Lokalanaesthesie griff, daemmerte es uns:
Es war gar nicht der Hausmeister, es handelte sich um den Doc himself! Er fummelte einige
Bruchstuecke aus unseren Fussohlen und entliess uns um 60 Dollar aermer in die Freiheit. So
humpeln wir seit 5 Tagen umher, denn 95% der Biester stecken noch an Ort und Stelle.
Nun, es gibt jedoch schlimmere Stellen auf dieser Erde, an denen man festhaengen kann. Zum
Trost haben wir ein wahnsinnig freundliches, aelteres US-Ehepaar kennengelernt, das uns die
Genesungszeit versuesst. Die beiden sind echt der Hammer! Mit 70 Jahren sind sie noch
passionierte Kajakfahrer und Schnorchler. Und letzteres haben wir dann auch gestern bei einer
Bootsfahrt zu einer vorgelagerten Insel mit schneeweissem Traumstrand gemacht. Wir wurden
perfekt mit Wetsuit und Taucherbrillen ausgestattet und die Fischwelt hier erinnert einen
doch stark an das Aquarium in Berlin. Und unser Abendessen haben wir nebenbei auch noch aus
dem Meer gezogen und dieser Fang stellte alle unsere bisherigen Fische doch stark in den
Schatten....
So weit aus dem Lazarett unter Palmen, lasst Euch den Gaensebraten schmecken,
Viele liebe Gruesse,
Eure Zadig und Annette
P.S.: Seeigel heisst uebrigens Erizo del mar hier und bei den Amis sea-urchin.
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Der Bussgang nach San Javie (Fr, 30.12.05)
Liebe Weihnachtsgansverspeisende!
mal wieder eine Nachricht von den Dauerurlaubern unter Palmen, die allerdings nach wie vor
etwas fusslahm sind. Seit der letzten Botschaft ist mal wieder einiges passiert.
Am 24.12. haben wir Loreto und unsere beiden junggebliebenen Goenner nach sechs Tagen
Genesungspause schweren Herzens und vor allem schmerzenden Fusses verlassen und haben 40 km
Schotterpiste in den winzigen 120 Seelenort San Javier in den Bergen hinter Loreto auf uns
genommen, um mal ein Wenig von unserem Asphalt-Gegondel Weichei-Image loszukommen.
Warum wir dass gemacht haben, haben wir uns dabei auch intensiv gefragt, denn das ganze
erinnerte eher an einen Bussgang, als an einen Weihnachtsausflug. Im permanenten bergauf und
bergab geht es zwar effektiv nur 500m ueber den Meerespiegel, aber die 500m haben es in sich.
Eine ausgewachsene Fusssohlenmassage gibt es durch das Waschbrettprofiel der weichen
Schotterstrasse gratis. Nicht, dass wir unsere Seeigelstacheln vergessen haetten, aber so
waren sie doch jede Sekunde der Fahrt gegenwaertig! Es muessen einige Suenden sein, die wir
innerhalb dieser 4.5h Kriechfahrt abgebuest haben.
Da wir bereits schon vor ca. 3 Wochen beim Versuch auf einer Schotterstrasse zufahren, nach
ca. 0.5 km das Handtuch geworfen haben, konnten wir diesmal nicht schon wieder umkehren. San
Javier wartet mit einer 300 Jahre alten Kirche aus der Kolonialzeit auf. Hier haben wir
erstmals drei radreisende Mexicaner getroffen, mit denen wir unser Weihnachtsmahl eingenommen
haben. Und damit waeren wir wieder beim Suendenkonto! Es gab naemlich eine Suppe namens
"Menudo". Menudo bedeutet eigentlich nur "Kleinigkeit", eine Kleinigkeit ist der Verzehr
dieses Spezialitaet allerdings nicht. Es wurde uns ein uebelrichendes Sueppchen mit
Fettklumpen vorgesetzt, die sich bei naeherem Hinsehn als Kuhgedaerm entpuppten. Die
freundliche Familie, die uns dieses kulinarische Erlebnis ermoeglichte, verspeiste selbige
Suppe mit nicht zu uebersehender Wonne (bis zu drei Nachschlaegen, ungelogen!!!) Dennoch ein
tolles Erbebnis, mit diesen herzlichen Menschen den heiligen Abend zu verbringen.
Der naechst Tag, also der 25.12. bot wiederum reichlich Gelegenheit Untaten abzubuessen, denn
es standen noch Mal 70km Schotterpiste auf dem Programm. Zum Teil mussten wir die Raeder
durch den tiefen Sand zerren, was sich nicht einfach gestaltet, wenn man eigentlich nicht
auftreten moechte. Als sich die Sonne schon gen Horizont neigte und wir nur noch 5 km vom
bequemen Asphalt entfernt waren, hoerten wir ein verzweifeltes Weinen, dass sich beim
Naeherkommen zu einem neugeborenen Zicklein gehoerig herausstellte. Selbiges war ohne Mutter,
hatte aber dafuer die Gesellschaft von ca. 20 Geifvoegeln (Caracaras), die sich offensichtlich
schon auf das weihnachtliche Festmahl freuten. Das Zicklein war hoechstens einen Tag alt und
hatte noch die Nabelschnur am Bauch haengen. Nach einigen Diskussionen haben wir die Ziege in
den Arm genommen und sind quer durch die Pampa zu einem ca. 1 km entfernten einzelnen Haus
gehumpelt, dass gluecklicherweise bewohnt war. Dort haben wir die Ziege abgegeben und hoffen,
dass sie nicht im Ofen gelandet ist.
Durch diese Aktion sind wir dann im Stockdunklen nach 8h Fahrzeit und 79km Fahrstrecke im
naechsten nennenswerten Ort namens Ignacio Zaragoza angekommen. Dort wurden wir stehenden
Fusses von einem unglaublich freundlichen Mexicaner namens Hector eingesammelt und mit nach
Hause genommen. Im Kreise der Familie sind wir auf das beste versorgt worden (diesmal
Huehnersuppe, kein Menudo! Wir haben schon einen echten Schreck bekommen, als die Mutter der
Familie uns einen Teller Suppe hinstellte). Die Herzlichkeit und Gastfreundschaft dieser nach
westlichen Masstaeben armen Menschen ist wirklich umwerfend und gleichzeitig auch etwas
beschaemend. Wie wuerden diese Menschen in Deutschland aufgenommen werden??? Die weiteren
Tagen verliefen dann vergleichsweise ereignislos: Wir juckelten auf Asphalt durch die
bekannte Kaktuswueste.
Mittlerweile sind wir in La Paz der Hauptstadt von Baja California Sur angekommen, wo wir
auch Silvester verbringen wollen. Am 3.01. geht es dann mit der Faehre nach Mazatlán auf dem
Festland...
Rutscht alle gut ins neue Jahr,
liebe Gruesse, Euer Zadig und Eure Annette
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Bebilderung des Textes (Sa, 31.12.05)
Hola miteinander,
hier die Bilder der (zu unserer grossen Freude) beliebten Foto-Travel-Story. Es gibt auch
ein Foto einer Fusssohle, denn ein Bild sagt mehr als tausend Stachel, oder so aehnlich......
Herzlichen Dank fuer all Eure Neujahrswuensche!
Kommt alle gut von 05 nach 06, die meissten von Euch ja 8 h vor uns.
Prospero año nuevo!
Eure Annette und Zadig
Passwort: azcycle
Login gültig bis: Unbefristet
Link: http://fotocenter.daybyday.de/login/guest/index.html/533219997/3514478132900/493734
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zur Fortsetzung des Berichts
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